Städtische Sparpolitik im Mittelpunkt der Isny Aktiv Mitgliederversammlung
Die angespannte Haushaltslage der Stadt, die damit verbundenen Einsparungen bei der Isny Marketing GmbH (IMG) und die möglichen Folgen für Gewerbe, Tourismus und Stadtgesellschaft bestimmten die diesjährige Mitgliederversammlung des Gewerbevereins Isny Aktiv e.V.
Vor 26 Jahren gegründet, versteht sich Isny Aktiv bis heute als Sprachrohr der Isnyer Wirtschaft. Zur Mitgliederversammlung am Abend des 23. Juli kamen knapp 50 Unternehmerinnen und Unternehmer unterschiedlicher Branchen im Bayrischen Wirt zusammen. Auf der Tagesordnung standen die Berichte zu Vereinsaktivitäten und Finanzen, Vorstandswahlen sowie Informationen zum Aufgabenportfolio und den Zielsetzungen der Isny Marketing GmbH.
Doch angesichts der schwierigen Finanzlage der Stadt und der kurz zuvor getroffenen Entscheidungen zur weiteren Reduzierung des IMG-Budgets rückte die städtische Sparpolitik zunehmend in den Mittelpunkt der Versammlung. Als Gesellschafterin und Mitglied des Aufsichtsrats der IMG war Isny Aktiv in die Diskussionen um die künftige Ausrichtung der Gesellschaft eingebunden. Gleichzeitig ist der Gewerbeverein selbst von den Einsparungen betroffen: Die Geschäftsstelle von Isny Aktiv ist organisatorisch im Büro für Stadtmarketing in der IMG angesiedelt. Darüber hinaus wirkt sich der Sparkurs der Stadt durch die angekündigte Reduzierung der städtischen Vereinsförderung auch auf den Verein aus.
Im Vorstand von Isny Aktiv wird die städtische Sparpolitik bereits seit Längerem diskutiert und kritisch hinterfragt – insbesondere mit Blick auf mögliche mittel- und langfristige Folgen für Gewerbe, Tourismus, Innenstadt und Stadtgesellschaft. Umso dringlicher empfand es Vorstandsvorsitzende Lukretia Mayer-Kottmann, mit der Stadtverwaltung in den Austausch zu kommen. In ihrer Begrüßungsrede bedauerte sie die Abwesenheit von Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzendem der IMG Rainer Magenreuter und Wirtschaftsförderin Andrea Pezold, die beratendes Mitglied bei Isny Aktiv ist. Magenreuter hatte seine Teilnahme kurzfristig aufgrund einer Terminüberschneidung abgesagt. Seine Vertretung übernahm der stellvertretende Bürgermeister Gebhard Mayer.
Wirtschaftsbericht und Wahlen
Der offizielle Teil der Tagesordnung verlief zunächst ohne größere Diskussionen. Die Rechnungsprüfer Said Tarhan und Werner Mayer bescheinigten Kassierin Susanne Jork, die einen positiven Kassenabschluss für 2025 präsentierte, einwandfreies und solides Wirtschaften. Der gesamte ehrenamtliche Vorstand wurde einstimmig entlastet. Auch bei den Vorstandswahlen gab es Veränderungen: Lukretia Mayer-Kottmann und Patrick Kaufmann bleiben Vorstandsvorsitzende, Susanne Jork bleibt Kassierin. Neu als Schriftführer wurde Florian Grimm gewählt. Als weitere Vorstandsmitglieder wurden Hans-Otto Durach, Samuel Schönle, Dominik Müller, Tom Pomorin und Michael Durach bestätigt beziehungsweise gewählt. Als Rechnungsprüfer wurden erneut Said Tarhan und Werner Mayer berufen.
Mayer-Kottmann gab anschließend einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten des Vereins – von Veranstaltungen und Kundenbindungsprojekten über Initiativen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt bis hin zur Vernetzung und Information des Isnyer Gewerbes. Diese Aufgaben werden von den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle Isny Aktiv innerhalb des Büros für Stadtmarketing der IMG wahrgenommen. Auf Nachfrage erläuterte Kassierin Susanne Jork die damit verbundene Finanzierung: Aufgrund der engen organisatorischen Zusammenarbeit werden auch Personalstunden der IMG für Aufgaben der Geschäftsstelle Isny Aktiv eingesetzt.
Nach einem Bericht von Florian Grimm zu den weiterhin erfolgreichen Unternehmerstammtischen dankte Mayer-Kottmann den Sponsoren der diesjährigen Feierabendmärkte. Sämtliche Sponsoren seien Isnyer Unternehmen und Mitglieder von Isny Aktiv. Zudem informierte sie über neue Fördermittel, die zur Stärkung des Isnyer Einzelhandels eingesetzt werden sollen, sowie über das bevorstehende Ende der Aktion „Isny Punkte“, die „leider nicht mehr zeitgemäß“ sei.
Aufgaben und künftiges Portfolio der Isny Marketing
Vor dem Hintergrund der engen Verbindung von Isny Aktiv und der Isny Marketing GmbH sowie der kurz zuvor getroffenen Entscheidungen zum IMG-Budget wurden den Mitgliedern die Aufgaben, Strukturen und Zielsetzungen der städtischen Tochtergesellschaft vorgestellt. Gleichzeitig ging es um die Frage, wie sich die erneute Kürzung konkret auf das künftige Leistungsangebot auswirkt. Aufgrund der angespannten Haushaltslage hatte der Gemeinderat beschlossen, die städtischen Mittel für die IMG ab 2027 erneut zu reduzieren – um rund 275.000 Euro auf 1,2 Millionen Euro. Bereits in den vergangenen vier Jahren musste die IMG sukzessive Budgetkürzungen auffangen, ohne dass dadurch bislang wesentliche Einschränkungen für den Standort Isny entstanden sind. Möglich war dies durch effizienteres Arbeiten und kontinuierliche strukturelle Anpassungen von Prozessen, Aufgaben und Angeboten an die verfügbaren personellen und finanziellen Ressourcen.
Im Auftrag des Gemeinderats prüfte der Aufsichtsrat der Isny Marketing, welche Aufgaben, Angebote und Veranstaltungen unter den veränderten finanziellen und personellen Rahmenbedingungen erhalten werden können. Die entsprechenden Entscheidungen über das künftige Portfolio wurden Ende Juni getroffen. Ziel sei es, trotz des reduzierten Budgets möglichst viele Leistungen für Isny aufrechtzuerhalten. Im Rahmen der Vorstellung wurde deutlich, welchen Beitrag die IMG mit ihren Bereichen Tourismus, Kultur und Stadtmarketing zur wirtschaftlichen Stabilität, zur Wertschöpfung, zum Standortwettbewerb und zur Standortentwicklung sowie zur Vernetzung und Stärkung der Stadtgesellschaft leistet. Gerade das Zusammenspiel dieser Bereiche sei eine wesentliche Stärke der bestehenden Strukturen.
Die Ausführungen zur Arbeit und Bedeutung der IMG stießen auf breite Zustimmung. „Wir sollten stolz sein auf das, was die Stadt mit der IMG geschaffen hat“, sagte Mayer-Kottmann. Die über Jahre gewachsenen Strukturen würden auch von anderen Städten in der Region als vorbildlich wahrgenommen. Die Ergebnisse der IMG-Arbeit verliehen Isny Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Heiße Diskussionen um die Einsparungen
Umso deutlicher wurde anschließend die Kritik an den Auswirkungen der beschlossenen Einsparungen: Sämtliche Projekte, Veranstaltungen und Maßnahmen der IMG waren mit Blick auf den Kostendruck erneut hinsichtlich ihres finanziellen und personellen Aufwands überprüft und angepasst worden. Marketingmaßnahmen werden reduziert, das Angebot im Isny Shop zurückgefahren. Im Veranstaltungsbereich können ab 2027 die Schlossweihnacht, die Flohmärkte, der Allgäu Tag und „Isny liest ein Buch“ nicht mehr aus dem Budget der IMG finanziert werden.
Besonders kontrovers wurde der Wegfall der Schlossweihnacht diskutiert. Die Entscheidung traf viele Anwesende hart – auch weil die Information über das Aus der Veranstaltung bis zu diesem Abend öffentlich noch nicht kommuniziert worden war. Mehrere Mitglieder warnten davor, bei solchen Entscheidungen allein die unmittelbare Einsparung zu betrachten. Veranstaltungen hätten Auswirkungen weit über ihren eigentlichen Anlass hinaus: Sie brächten Menschen in die Innenstadt, stärkten Handel, Gastronomie und Tourismus und böten zugleich Schulen, Kindergärten, Musikkapellen und Vereinen eine Plattform und teilweise wichtige Einnahmemöglichkeiten. Darüber hinaus seien etablierte Veranstaltungen wie die Schlossweihnacht identitätsstiftend: Sie stärkten die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Stadt und prägten das Bild Isnys nach innen wie nach außen. Mit dem Wegfall von Veranstaltungen wie der Schlossweihnacht und „Isny macht blau“ laufe Isny zudem Gefahr, an Sichtbarkeit und Profil nach außen zu verlieren.
Gebhard Mayer verwies auf die angespannte finanzielle Situation, die nicht nur Isny, sondern zahlreiche Kommunen betreffe. Die Sparmaßnahmen träfen Isny hart, nun müsse man jedoch gemeinsam bestmögliche Lösungen finden. In der Versammlung blieb zugleich die Sorge bestehen, dass bei Entscheidungen mit weitreichenden Folgen nicht allein kurzfristige Einsparungen betrachtet werden dürften.
Besonders kritisch bewerteten mehrere Wortmelder die bisherige Kommunikation der Stadt zum allgemeinen Sparkurs. Teilweise war von „schlechter“, teilweise sogar von „vollständig fehlender“ Kommunikation die Rede. Gefordert wurden mehr Offenheit und Transparenz – sowohl bei den konkreten Einsparungen auf Verwaltungsseite als auch bei den erwarteten finanziellen Effekten. So sei beispielsweise nicht nachvollziehbar, welche konkreten Summen durch die geplante Reduzierung der Vereinsförderung eingespart werden sollen, berichtete Karl Angele. Auch bei der Schlossweihnacht fehle es an belastbaren Angaben dazu, welche Kosten durch deren Wegfall die Stadt tatsächlich einspare. In diesem Zusammenhang wurde auch die Kostenstruktur der Veranstaltungen diskutiert. Ein erheblicher Kostenfaktor seien die Infrastrukturleistungen des Baubetriebshofs, die der IMG ab 2027 in Rechnung gestellt würden. Aus Sicht von Isny Aktiv sei es deshalb wichtig, dass Kosten und Budgets nicht isoliert, sondern übergreifend betrachtet und transparent dargestellt würden. Nur so lasse sich beurteilen, wo tatsächlich Einsparungen erzielt werden und welche Folgewirkungen damit verbunden sind.
Alternativen, aber kein vollständiger Ersatz
Die IMG setzt bereits seit vielen Jahren auf die Einbindung von Vereinen und arbeitet in unterschiedlichen Kooperationen eng mit ihnen zusammen. Ziel ist es, Veranstaltungen gemeinsam umzusetzen, den Baubetriebshof zu entlasten, Vereine einzubinden und deren Engagement zu unterstützen. Ein Beispiel ist der TV Isny, der die IMG seit vier Jahren bei der Organisation der Feierabendmärkte unterstützt. Die Helferinnen und Helfer erhalten dafür von der IMG dafür einen festen Stundenlohn. Auch bei der Finanzierung von Projekten werden seit Langem zusätzliche finanzielle Spielräume erschlossen – unter anderem durch die Akquise von Fördermitteln.
Für 2027 sind nun ausgebaute Adventsmärkte auf dem Marktplatz vorgesehen. Sie sollen weiterhin für weihnachtliche Atmosphäre in der Innenstadt sorgen und zugleich deutlich kostengünstiger als die bisherige Schlossweihnacht umgesetzt werden. Damit soll trotz des Wegfalls der Schlossweihnacht ein weihnachtliches Angebot in der Innenstadt erhalten bleiben. Die Adventsmärkte können die Schlossweihnacht in ihrer bisherigen Größe, Ausstrahlung und Wirkung jedoch nicht vollständig ersetzen. Auch personell und finanziell sind mit dem reduzierten IMG-Budget Grenzen gesetzt. Zusätzliche Aufgaben können zudem nicht unbegrenzt durch ehrenamtliches Engagement aufgefangen werden.
Wirtschaft fordert Transparenz und Planungssicherheit
Zum Abschluss wurde deutlich, dass die Diskussion für Isny Aktiv mit der Mitgliederversammlung nicht beendet sein soll. Viele Mitglieder äußerten Sorge darüber, welche kurz- und langfristigen Folgen der Sparkurs für den Wirtschafts- und Lebensstandort Isny haben könnte. Dabei gehe es dem Gewerbeverein nicht darum, notwendige Sparmaßnahmen grundsätzlich infrage zu stellen. Entscheidend sei vielmehr, wo und wie gespart werde und ob die erzielten Einsparungen im Verhältnis zu den möglichen Folgen für Wirtschaft, Tourismus und Stadtgesellschaft stünden. Die Mitglieder forderten deshalb mehr Transparenz über die im städtischen Haushalt geplanten Einsparungen und deren mögliche kurz- und langfristige Auswirkungen. Gerade weil die Unternehmen selbst von den Entscheidungen betroffen seien und zugleich bereit seien, Verantwortung für die Entwicklung Isnys zu übernehmen, brauche es einen direkten Austausch mit den zuständigen Stellen.
„Wir wollen nicht, dass die Diskussionen des heutigen Abends versanden“, fasste Lukretia Mayer-Kottmann die Stimmung der Versammlung zusammen. Da Bürgermeister Rainer Magenreuter kurzfristig nicht an der Mitgliederversammlung teilnehmen konnte, appellierte sie an die anwesenden Gemeinderäte und die Verantwortlichen der Stadt, die offenen Fragen gemeinsam weiter zu diskutieren. Isny Aktiv fordert einen offenen und direkten Dialog über die geplanten Einsparungen, ihre Auswirkungen und die gemeinsame Verantwortung für die weitere Entwicklung Isnys. Der Gewerbeverein will den Austausch mit der Stadt fortführen und die Interessen der örtlichen Wirtschaft in die Diskussion um die Zukunft des Standorts einbringen.
Die Mitgliederversammlung endete mit dem klaren Wunsch nach mehr Transparenz, nachvollziehbaren Zahlen und einem offenen Dialog darüber, wie Isny trotz notwendiger Einsparungen als Wirtschafts- und Lebensstandort stark bleiben kann.